Ein Stromausfall in Spanien und Portugal hat kürzlich gezeigt, wie verwundbar moderne Infrastrukturen sind. Telefonnetze fielen aus, Ampeln streikten, Krankenhäuser liefen im Notbetrieb. Sofort wurden Stimmen laut: War es ein Cyberangriff? Ein technisches Versagen? Ein Einbruch in der Solarstromproduktion?

Unabhängig von der Ursache wirft das Ereignis eine wichtige Frage auf: Wie gut sind unsere Stromnetze gegen digitale Angriffe geschützt – besonders mit Blick auf die Vielzahl internetfähiger Wechselrichter?

Der kritische Punkt: Wechselrichter mit Fernzugriff

Eine aktuelle Studie des norwegischen Instituts DNV im Auftrag von SolarPower Europe weist auf eine mögliche Schwachstelle hin: Wechselrichter, die über das Internet fernsteuerbar sind – insbesondere im Kleinanlagenbereich (2–250 kW), wie sie auf vielen Hausdächern zu finden sind. Geräte dieser Art stammen häufig von chinesischen Herstellern wie Huawei, Sungrow oder GoodWe. Laut Studie sind etwa 70 % dieser Geräte theoretisch fernsteuerbar.

Das bedeutet nicht, dass ein Angriff unmittelbar bevorsteht. Aber es zeigt, wie wichtig es ist, diese Risiken ernst zu nehmen – auch ohne in Alarmismus zu verfallen.

Technische Realität: Frequenzabfall statt Hackerangriff?

Viele Wechselrichter sind so programmiert, dass sie sich bei Abweichungen im Stromnetz – etwa bei einer Frequenz über 50,2 Hz – automatisch abschalten. In einem stark vernetzten Stromnetz kann das binnen Millisekunden zu Dominoeffekten führen. Ein Abriss der Verbindung zu einem Nachbarland wie Frankreich könnte ausreichen, um viele Anlagen automatisch abzuschalten – ohne Zutun eines Hackers.

China – Risiko oder verlässlicher Partner?

China ist der weltweit größte Produzent von Wechselrichtern. Die Geräte sind günstig, zuverlässig und technologisch führend. Auch wenn der Einbau von sogenannten „Backdoors“ laut chinesischem Recht möglich ist, stellt sich die Frage: Was hätte China davon, die eigenen Exportschlager unbrauchbar zu machen? Selbst in geopolitischen Spannungen – etwa rund um Taiwan – wäre ein gezielter Ausfall europäischer PV-Systeme nicht im Interesse des Landes, da dies das Vertrauen in chinesische Technologie irreparabel beschädigen würde.

Was sollten Betreiber jetzt tun?

Panik ist fehl am Platz – aber Vorsorge ist sinnvoll. Denn unabhängig von politischen Spekulationen zeigt die DNV-Studie auch: Viele PV-Systeme sind unzureichend abgesichert. Es braucht klare Standards, stärkere Regulierungen und vor allem Bewusstsein bei Anlagenbetreibern.

Unsere Empfehlung:

  • Fragen Sie Ihren Solarteur gezielt nach Sicherungsmaßnahmen.
    Moderne Wechselrichter bieten Schnittstellen wie Modbus oder KNX, über die unabhängiges Monitoring und Steuerung möglich sind – auch abseits von Cloud-Diensten oder Herstellerservern.

  • Klären Sie, wie der Wechselrichter bei einem Netzausfall reagiert.
    Kann er eigenständig weiterarbeiten? Ist ein Zugriff über das Heimnetz notwendig – oder kann er notfalls auch autark laufen?

  • Verlassen Sie sich nicht allein auf Apps.
    So komfortabel App-basierte Steuerung auch ist – im Notfall kann ein simpler Schritt wie das Trennen vom WLAN eine Sicherheitsmaßnahme sein.

Wachsamkeit ohne Panik

Wechselrichter sind das Herzstück jeder Solaranlage – und wie jedes vernetzte Gerät nicht ohne Risiko. Doch mit technischer Weitsicht, unabhängiger Steuerung und kluger Beratung lassen sich Risiken beherrschbar machen. Der Schlüssel liegt nicht in Verboten, sondern in Transparenz, Standardisierung und einem ehrlichen Dialog zwischen Solarteur und Kunde.

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