Wärmepumpen gelten als zentrale Technologie der Energiewende. Sie nutzen Umweltwärme und wandeln sie mit Hilfe von Strom in Heizenergie um – effizient, sauber und zukunftssicher. Doch was auf dem Papier hervorragend klingt, funktioniert in der Praxis nicht immer reibungslos. Eine groß angelegte europäische Studie zeigt: Viele Wärmepumpen leisten deutlich weniger als möglich – nicht wegen der Technik, sondern wegen fehlerhafter Planung und Einstellung.

Über 1.000 Anlagen geprüft – viele arbeiten ineffizient
Forscher der ETH Zürich haben über zwei Jahre hinweg die Echtzeitdaten von mehr als 1.000 Wärmepumpen in zehn Ländern ausgewertet. Das Ergebnis: Jede sechste Anlage unterschritt dauerhaft den Effizienz-Mindestwert, und bei über einem Drittel waren die Einstellungen der Heizkurve nicht optimal.
Fehlerquellen waren vor allem:
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Zu hoch eingestellte Vorlauftemperaturen (in rund 40 % der Fälle)
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Ungeeignete Nachtabsenkungen, die Räume zu stark auskühlen (rund 33 %)
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Wärmepumpenbetrieb bei unnötig hohen Außentemperaturen
Falsche Auslegung: Überdimensionierung häufig, Unterdimensionierung selten
Auch die Größe der Wärmepumpen war oft nicht passend gewählt. Bei rund 10 % der untersuchten Anlagen passte die Auslegung nicht zum tatsächlichen Heizbedarf. Interessanterweise waren die meisten Geräte zu groß – was zwar die Lebensdauer eher verlängert, aber die Effizienz stark mindert.
Die Untersuchung zeigt: Planungsfehler entstehen nicht nur bei der Dimensionierung, sondern vor allem bei der Inbetriebnahme und Parametrierung. Und genau hier liegt ein zentrales Problem: Nicht jeder Anbieter verfügt über die nötige Erfahrung, um eine Wärmepumpe optimal an den individuellen Bedarf eines Gebäudes anzupassen.

Korrekte Einstellung entscheidet über Wirtschaftlichkeit
Wie viel Einsparungspotenzial in der richtigen Konfiguration steckt, zeigt der sogenannte SCOP-Wert (Seasonal Coefficient of Performance). Während ineffizient laufende Anlagen unter einem SCOP von 3 blieben, erreichten optimal eingestellte Erd-Wasser-Wärmepumpen Werte über 7 – also den siebenfachen Wärmegewinn im Vergleich zur eingesetzten Strommenge.
Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen lagen die besten Werte immerhin bei über 5. Das bedeutet: Mit der richtigen Auslegung und Einstellung kann eine Wärmepumpe so effizient arbeiten, dass sie das Fünffache der eingesetzten Energie in Heizleistung umwandelt – eine enorme energetische und finanzielle Wirkung.
Fehlendes Monitoring, mangelhafter Service
Viele Wärmepumpen sind technisch in der Lage, Diagnosedaten in Echtzeit an Hersteller oder Installateure zu senden. Doch diese Möglichkeiten werden kaum genutzt. Fehlbedienungen und ineffiziente Einstellungen bleiben oft unbemerkt, solange keine Störung vorliegt.
Ein automatischer Hinweis bei dauerhaft zu hoher Vorlauftemperatur oder ineffizientem Laufverhalten? Fehlanzeige. Stattdessen müssen Nutzer oder Fachleute die Einstellungen manuell anpassen – oft ohne klare Anleitungen, standardisierte Prozesse oder fundierte Schulung.
Warum Referenzen wichtiger sind als Versprechen
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Eine Wärmepumpe ist keine Plug-and-Play-Lösung. Sie verlangt technisches Verständnis, eine durchdachte Planung und eine saubere Ausführung. Gerade in der aktuellen Marktsituation drängen jedoch viele Anbieter in das Geschäft – nicht immer mit der nötigen Kompetenz.
Fehlende hydraulische Abgleiche, pauschale Werkseinstellungen oder überdimensionierte Anlagen sind keine Einzelfälle. Wer als Bauherr oder Hausbesitzer auf den falschen Anbieter setzt, riskiert hohe Stromkosten, unzuverlässigen Betrieb – und Frust.
Daher unser Rat: Nicht auf Werbeversprechen oder schnelle Verfügbarkeiten achten, sondern gezielt nach nachweisbaren Referenzen, transparenter Planung und langfristigem Serviceangebot fragen. Eine richtig installierte Wärmepumpe ist eine Investition, die sich lohnt – aber nur, wenn sie fachgerecht umgesetzt wird.

